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Südpfälzer der AG 60plus besuchten das Glantal

Der diesjährige Sommerausflug der AG 60plus-Südpfalz führte am 26. Juni 2013 ins Glantal, vom Remigiusberg bis nach Meisenheim. Der Flusslauf war die ehemalige Grenze zwischen Bayern (der Pfalz) und Preußen (dem Rheinland). Das Glantal ist mit seiner vielfältigen Landschaft, den Dörfern, dem Glan-Blies-Weg und der Draisinenbahn ein touristisches Juwel und darüber hinaus durch Kelten, Römer, Franken und den Grafen von Veldenz und Pfalz-Zweibrücken auch ein ganz besonders geschichtsträchtiger Flecken in Rheinland-Pfalz. „Fascht so schee wie bei uns in de Südpalz“ meinte ein eingefleischter Südpfälzer.

Die Busfahrt ging von Kandel und Landau über Rinnthal, dem Wellbachtal quer durch den Pfälzerwald nach Kaiserslautern, ein Stück A62 bis ins Glantal nach Theisbergstegen am Fuße des Remigiusberges.
Im Gegensatz zu dem gleichnamigen Fluß (die Glan) in Österreich, ist das Rheinland-Pfälzische Gewässer männlich. Das musste an dieser Stelle einmal zur Klarstellung gesagt werden!

Unser 1. Ziel war der Remigiusberg mit seiner Probsteikirche St. Remigius und einem unvergesslichen Ausblick auf das obere Glantal.
Helmut Dick, 2. Vorsitzender des Fördervereins Pfalz-Veldenz e.V. hat uns sehr freundlich empfangen, mit Kaffee für das 2. Frühstück versorgt und uns – das ist seine Passion- umfassend über die historischen Zusammenhänge aufgeklärt. Jetzt wissen wir, dass die Bayern ihre Wurzeln in der Pfalz hatten. Eine Geschichtsvorlesung vom Feinsten, insbesondere deshalb, weil wir in Meisenheim eine Fortsetzung erwarten konnten. Ein herzliches Dankeschön an Helmut Dick.

Nach der kulinarisch-kulturellen Kost auf dem Remigiusberg fuhr uns der Busfahrer Rolf von Friedmann-Reisen glanabwärts nach Meisenheim.
Der Reiseleiter Wolfgang Thiel (er stammt aus dem Glantal) hatte allerlei Informationen und Erinnerungen aus seiner Heimat parat: „Dort, wo ihr an den steilen Hängen den Wald seht, gab es bis in die späten 1960er-Jahre Weinbau“. Über die Qualität wollte er sich nicht auslassen.
Ein besonderes Kuriosum war der Grenzverlauf am Glan. Der Standort der Kirche bestimmte welchem „Hoheitsgebiet“ das Dorf zugeschlagen wurde: stand die Kirche in Flußrichtung links, war es rheinländisch, stand sie rechts, war es pfälzisch. So ergab sich, dass früher auf der Strasse zwischen Mainz und Saarbrücken z.T. nach jeder Ortschaft Wegezölle erhoben wurden (siehe folgendes Bild).



Erst bei der Gebietsreform Anfang der 1970iger Jahre wurde eine „Begradigung“ der Grenzen vorgenommen. Obwohl der Grenzverlauf für die Menschen in den letzten Jahrhunderten z.B. die Religionszugehörigkeit und die Verwaltungsstrukturen stark geprägt haben, redet heute, fast 45 Jahre nach der Verwaltungsreform, niemand mehr darüber. Vielleicht sollten die Maikammrer mal ins Glantal reisen, um zu erfahren worauf es beim Zusammenleben wirklich ankommt.

Hauptziel des Ausfluges war das mittelalterliche Städtchen Meisenheim mit knapp 3000 Einwohnern. Nach dem Mittagessen im Brauhaus der ehemaligen Meisenheimer Brauerei Bonnet & Cie, stellten uns die beiden Stadtführer Renate Gilcher und Thomas Dunzweiler mit hoher Kompetenz die "Perle im Glantal" vor. Ein eindrucksvolles Erlebnis, danke dafür!
Geschichtlich hat die Stadt viel zu bieten, denn sie war u.a. Sitz der Grafen von Veldenz und Pfalz-Zweibrücken. Berühmtester Vertreter war Herzog Wolfgang (+1569), der mit vielen anderen Hoheiten in der imposanten gotischen Schloßkirche seine letzte Ruhe fand.
Pfarrer Hellmut von Schweinitz prägte in den 1950/60iger-Jahren mit seiner jährlichen Dichterwoche das kulturelle Leben der Stadt. Alles was im deutschsprachigen Raum Rang und Namen im Literaturbereich hatte, traf sich in Meisenheim.
Das Städtchen hatte viel Glück bei den kriegerischen Auseinandersetzungen in den letzten Jahrhunderten, denn es wurde kaum zerstört. Viele historische Gebäude wie Fachwerk- und Herrschaftshäuser sind gut erhalten und befinden sich durch nachhaltige Renovierungen in einem sehr guten Zustand.
Man kann den Stadtmüttern und Stadtvätern nur gratulieren, wie sie über die vielen Jahrzehnte der Nachkriegszeit das mittelalterliche Kleinod erhalten und weiter entwickelt haben.
„Do kinne sich mol die Stadtowwere vun Berschzawwre e Beischpiel abgugge, was mer aus enner middelalderlichen Stadt mache kann“, sinnierte ein Südpfälzer Mitfahrer.
Die Stadtführer haben die Besucher so in den Bann gezogen, dass der Abfahrtstermin aus dem Blickfeld geriet, denn es stand noch ein Pfälzer Vesper in Venningen an der Südlichen Weinstraße auf dem Programm. Auf schnellstem Wege ging es über die A61 und A65 zum vertrauten „Pälzer Schobbe“.

Die „Glanfahrer aus der Südpfalz“ bedankten sich mit einem großen Applaus bei dem Organisator Klaus Böhm und dem Reiseleiter Wolfgang Thiel für den gelungenen „Ausritt“ in eine benachbarte Region.
In abgewandelter Form der Salamander-Heftchen der 1950/60iger Jahre konnte man zusammenfassen: „Lange schallt‘s im Glantal noch, die AG 60 lebe hoch“. Die Mitfahrer freuen sich schon auf die nächste Fahrt.
(W.T.)

Helmut Dick erklärt uns das Remigiusland

Die Südpfalzer verfolgen den Geschichtsvortrag mit großem Interesse

Ein wunderschöner Ausblick in die typische Landschaftsform des Glantals

In der Probsteikirche St. Remigius

Der Ehemalige Lettner dient nach dem Umbau der Kirche als Stützmauer für die Empore der Orgel

Wolfgang Thiel bedankt sich bei Helmut Dick mit "Pfälzer Währung"

Vor dem Mittagessen im Brauhaus zu Meisenheim . . .



















Renate Glicher bei ihren Erläuterung zu der Schlosskirche

Die gotische Schlosskirche thront über der Altstadt

Ein sehr schön erhaltenes Fachwerkhaus im Fränkischen Stil

Der Bürgerturm aus dem frühen 14. Jahrhundert diente einst neben der Verteidigung in seinem zweiten Stockwerk als Schuldgefängnis: Betrunkene, Randalierer, Ehebrecher und -im 18. Jahrhundert- Eltern, deren Kinder die Schule schwänzten, erhielten hier eine kurze "Turmstrafe".

Ein beliebtes Fotomotiv mit dem Blick von der Obergasse über das Luisengässchen zur Schlosskirche

 
 

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